Wie ich hier und hier erfahren konnte fordern Kreuzberger Eltern in „ihrem“ Kiez SO36 eine neue evangelische Privatschule. Ihnen sind die staatlichen Schulen nicht gut genug:
Die wenigen staatlichen Schulen, die nicht zu 90 Prozent von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern und Migrantenfamilien besucht werden und deshalb Gnade vor den bildungsbewussten Eltern finden, liegen oftmals nicht in ihrem Einzugsbereich oder sind überlaufen.
Viel ist scheinbar nicht geblieben vom multi-kulturellen Leben, das wohl einige junge Eltern in früherer Zeit mit Blick auf Kreuzberg gepredigt haben. Bei den eigenen Kindern hört scheinbar die Toleranz oder besser die Akzeptanz auf. Denn natürlich dürfen die anderen Schulen bleiben, nur ihre Kinder sollten doch bitte auf eine deutschere Schule.
Nachdem das ehemals besetzte Haus renoviert ist, ein ordentlicher Mietvertrag abgeschlossen ist und der Innenhof begrünt ist kann das neue Leben beginnen. Was braucht das hippe junge Glück aus Kreuzberg dazu? Klar, ein Kind. Ohne Kind darf man oder eher frau sich nach dem 30. Lebensjahr in manchen Strassenzügen in Kreuzberg und Prenzlauer Berg schon gar nicht mehr blicken lassen. Nun läuft der Baby-Boom schon einige Jahre und somit tuhen sich vor allem in Kreuzberg neue Probleme auf: Auf welche Schule mit unserem Kind? Die Lösung scheint einfach zu sein, eine neue Schule muss her!
Ich stehe diesem Vorhaben mehr als nur kritisch entgegen. Durch genau jene Privatschul- Initiativen findet eine gezielte Abwertung der städtischen Schulen statt. Diese Eltern entziehen nicht nur ihre Kinder sondern gerade sich selbst der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gegenüber Migrantinnen, bildungsfernen Bürgerinnen und dem sozialen Frieden. Aus ordnungspolitischer Sicht sind gerade im Bildungssystem Prtivatschulen mit Vorsicht zu betrachten. Sie dürfen sich a) natürlich nicht der staatlichen Kontrolle entziehen aber auch b) keine allzu große Konkurrenz darstellen. Markt-Ideologen würden kontern und einen gesunden Wettbewerb anmahnen, dem ja auch staatliche Schulen folgen können und somit alle glücklich sind. Leider ist es wie sooft, Theorie gut, Umsetzung mangelhaft. Am Beispiel Kreuzberg sieht man nämlich, dass die Kombination aus Integrationsdefiziten seitens des Staates (hier in Form der Schulen) und elitärem Bildungsanspruch der Eltern zu Selektivierung führt und eine gesunde Durchmischung der Schulen verhindert wird. Von dieser Heterogenität würden alle Schüler profitieren. MigrantInnen würden schneller in ihrer Umwelt zurecht kommen, deutsche SchülerInnen dürfen sich durch multi-kultuerlle Erfahrung und Austausch mit Kindern aus fernen Ländern auch als GewinnerInnen fühlen. Eine typische win-win-Situation. Die jetzige Situation hingegen entspricht einem Teufelskreis.
Leider erkennen viele in Politik und Gesellschaft den dringenden Handlungsbedarf nicht. Im Zuge der Föderalismusreform entzieht sich die Bundesregierung der Verantwortung. Umso mehr braucht es engagierte BürgerInnen in den Ländern! Die Grünen müssen gerade in Bremen aber auch überall da wo wir in Zukunft Regierungsverantwortung haben werden den Fokus darauf richten dass ein „weiter so“ uns weitere Schelten der UN und anderen Organisationen einhandeln wird. In vielen Bundesländern bemängel ich seit langem mangelnde Motivation in Bildungsfragen endlich die lang benötigten – in Sonntagsreden oft herausgestellten – Innovationen im Schulsystem umzusetzen. Dies gilt vor allem für jene unter den Grünen-PolitikerInnen, welche bekanntermaßen für ihre Kinder auch nur das Beste oder sollte ich sagen Bessere wollen. Damit wären wir wieder in Kreuzberg. Da sieht man es mal wieder. Berlin ist überall!
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