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Grüner Friedenskongress in Berlin geht zu Ende

In Politik on 09.03.2008 at 1:59

friedenskongress.jpg

Wie bereits zuvor erwähnt war ich Fr und Sa auf dem Friedenskogress der Partei. Für Interessierte habe ich mal das Programm verlinkt damit man sehen kann was wir denn so besprochen haben. Prinzipiell muss man sagen dass der Kongress nicht so groß aufgelegt war wie der Zukunftskongress letztes Jahr. Dies ist aber verständlich, zumal die Partei nicht über unerschöpfliche Finanzquellen verfügt (ausserdem ging es beim Zukunfskongress um alle Themen, dieser Kongress war themen- spezifisch). Auf dem Foto ist das Abschluss- Panel (früher nannte man es Diskussionsrunde) zu sehen. Auf diesem war auch der viel geschätzte Arvid Bell von der GRÜNEN JUGEND vertreten – ein Glücksfall für alle kritischen Geister (übrigens: Der Abschlussbericht der Friedenspolitischen Komission der GRÜNEN JUGEND ist sehr viel lesenswerter als der Zwischenbericht der Grünen). Maßlos aufgeregt habe ich mich mal wieder über den grünen Neo- Cons Ralf Fücks. Er hat mal wieder in einer überheblichen, eurozentrischen Art und Weise in einer Art Reißbrett- Theorie die neue Weltordnung skizziert und dabei allerlei Staaten und Kulturen in einen Sack geworfen und darum gebeten diese ganz schnell zu Modernisieren und zu Demokratisieren.

Ohne Zweifel, es gibt in vielen Regionen der Welt entwicklungspolitische und auch infrastrukturelle Defizite. Aber diese sollte man differenziert betrachten und keinen Krisengürtel von Pakistan bis Marokko einzeichnen den es so schnell wie möglich – auch militärisch – zu “befrieden” gilt. Ausserdem schürte Ralf in meinen Augen unbegründetete Angst in dem er ständig den – nicht zuletzt von Wissenschaftlern im Panel heftigst kritsierten – Huntington mit seinem “Clash of Civilizations” (Kampf der Kulturen) zitierte. Nunja, Ralf Fücks ist es sicherlich gewöhnt angegriffen zu werden für seine bellizistischen und tendenziös anti- deutschen Thesen. Ich unterstelle ihm sogar einen gewissen Spaß an Provokation. Damit hätten wir sogar eine Gemeinsamkeit zwischen uns ausgemacht, bei aller Kritik an seiner friedenspolitischen Sicht sicher nicht die einzige. Wobei zu internationaler Migration hatte der doch auch mal was unschönes gesagt, oder? Nunja egal, es macht jedenfalls Spaß sich mit ihm zu streiten. So, nun auch mal was zu den Workshops.

Abrüstungspolitik in der Krise – droht ein neuer Rüstungswettlauf?

Neben den Panels und Aufregern in den Panels gab es auch zwei interessante Workshop- Blocks. Ich möchte an dieser Stelle aus dem Workshop von Claudia Roth zum Thema Abrüstungspolitik berichten. Zunächst einmal sei erwähnt, dass es sich ziemlich schnell (nicht zuletzt aufgrund der Auswahl der ReferentInnen) auf das Thema “atomare Rüstungspolitik” zentriert hat. Bei der Fülle des Themas viel. nur eine Facette, aber dennoch eine sehr wichtige und eine die es sich lohnt zu vertiefen. Wir hatten ja auch nicht unendlich viel Zeit und somit war es schon okay sich auf einen Aspekt lieber bisschen näher einzulassen. In meinem Blog habe ich übrigens bereits vor einigen Wochen mal einen besorgten Artikel zum atomaren Wettlauf im Mittleren und Nahen Osten geschrieben. Somit kam mir dieser Workshop gerade Recht um mein Wissen zu dem Thema weiter zu festigen.

47 Organisationen in Deutschland fordern bereits “Unsere Zukunft Atomwaffen frei!”. Das ist genau der Ansatz um den es gehen muss. Zusammen mit Xanthe Hall (IPPNW), Tobias Münchmeyer (GREENPEACE), Dr. Oliver Meier (IFSH) und Andrea Körner (Referent der Fraktion) haben wir versucht Wege zu finden dieses Ziel zu erreichen.

Die atomare Gefahr existiert weiter

Viele Menschen in Deutschland glauben wir wären schon Atomwaffen frei. Das stimmt nicht! In Büchel/ Rheinland- Pfalz lagern noch immer übr 20 atomare Sprengköpfe der Größe der Hiroshima- Bombe. Ausserdem glauben viele Menschen dass Atomwaffen ja mittlerweile ein weit entfernter Problem darstellen (Indien, Pakistan, Iran- alles weit weg). Doch gerade die Folgen einesbeidseitigen Angriffes am Beispiel Indien-Pakistan zeigt in einer Graphik dass eine riesige Staubwolkeüber die ganze Welt schweben würde unter der das Klima fallen würde und enorme Probleme mit sich bringen würde (Dürre, Hunger, Krieg um nur einige zu nennen). Das hat mich aufgerüttelt. Ein Atomkrieg – egal wo auf der Welt – wäre indirekt und direkt eine Apokalypse!

Auch Claudias offene Worte zum “zivilen” Atomprogramm der Türkei haben mir die Augen geöffnet: “Wenn ich der Türkei sage ihr habt doch genug regenerative Energien dann zeigen die auf die Karte und sagen dass es kein energiepolitisches, sondern ein sicherheitspolitisches Frage ist.” Was sie uns damit sagen will: Der Atomwaffensperrvertrag ist für die Katz’. Genauso wie der Nicht- Verbreitungs- Vertrag für Atomwaffen (NVV) der die Proliferation, also die Weitergabe, von Atomwaffen know- how verhindern soll. Jeder der heutzutage über “zivile” Nutzung verfügt, der kann auch eine Atombombe bauen, da gab es keinen Zweifel in der Expertenrunde. Die Informationsgesellschaft macht es möglich schnell an die entsprechenden Skizzen und Ideen zu kommen. Was als viel größeres Problem wahr genommen wurde ist die Verlogenheit der Weltgemeinschaft einigen “guten” Staaten Atomkraft zu gönnen und anderen Staaten dieses Recht abzusprechen. Generell hat “der Westen” ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir haben selber zuwenig Absrüstung betrieben um sie einzufordern. Gerade wir Jugendlichen haben Atombomben immer als Problem der 80er gesehen und es wahrscheinlich lediglich mit Nenas 99 Luftballons verbunden (was schon mehr ist ale viele wohl wissen). Aber die Gefahr ist nach wie vor da! Dies haben sogar amerikanische(!) Politiker wie Henry A. Kissinger und Georg P. Shultz erkannt, die jüngst im Wall Street Journal einen bewegenden Aufruf für eine Atomwaffen freie Welt verfasst haben. Dieser hallt bis nach Europa und stößt hoffentlich auch hier eine breitere Debatte an. Ansonsten müssen wir die Debatte anheizen!

Atomwettrüsten stoppen

Deshalb haben wir geplant mit Claudia Roth und hoffentlich auch mit Hilfe der GRÜNEN JUGEND und anderer Bewegungen Anfang Mai gegen die Aufnahme Indiens in den “Club” der Atommächte zu demonstrieren. Diese offiziellen Atommächte dürfen nämlich frei Technik zukaufen. Bisher sind in diesem Club China, Russland, Frankreich, GB und die USA. Pakistan, Israel und Indien zählen nicht dazu. Indien und Pakistan haben seit mehreren Jahren strenge Sanktionen wegen unerlaubtr Atomprogramme. Israel weigert isch nach wie vor sich zum Atomprogramm und zur Bombe zu bekennen, unter vorgehaltener Hand gilt es aber als sicher dass auch Israel eine Atommacht ist. Diese genannten Sanktionen sollen aus finanziellen Gründen (Exportwirtschaft) nun im Falle Indiens abgeschafft werden. Da Deutschland im Mai den Vorsitz in der Gruppe übernimmt, welche darüber zu entscheiden hat wäre es sinnvoll vor dem Auswärtigen Amt in dem sie tagen eine kleine oder große Aktion zu veranstalten. Ausserdem planen die Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) im Sommer medienwirksam auf den Standort Büchel aufmerksam zu machen. Ihr dürft gespannt sein, ich werde euch auch weiterhin über die Entwicklungen in diesem spannenden Politikfeld auf dem laufenden halten!

Kleiner Nachtrag

Ich möchte an dieser Stelle noch auf eine weitere kleine Fragen eingehen die bei mir während des Kongresses aufkam:

Die wäre ob es wirklich so ist wie Fritz Kuhn im Auftakt- Panel behauptete, nämlich dass bei der Frage um Krieg und Frieden die 20 % der Bevölkerung die “dafür” sind die restlichen 80 % die nicht wollen “überzeugen” müssen. Natürlich irritiert vor allem die Tatsache, dass es in Afghanistan laut der ersten repräsentativen Erhebung des Sonderforschungsbereiches der FU Berlin genau andersherum ist. Dort ist die Mehrheit – ich meine es wären 70-80 % der Menschen im Norden und Osten – wohl für die Präsenz von Militär in Afghanistan. Diese Zahlen sind aber vorsichtig zu genießen, mir sagte sogar jemand es wären nur Männer befragt worden, weiß da jemand mehr? Ausserdem wie gesagt, Norden und Osten. Nunja, Fritz’ Versuch mit Ehrlichkeit diese Überzeugungsarbeit zu leisten dürfte kontraproduktiv sein. Denn bei aller Kritik an diesem elitären Denken, es ist durchaus so dass im sehr national- bezogenen Deutschland von links wie von rechts sicher auch unredliche Motive wie “warum sollen wir uns für diese Afghanen den Arsch auftreißen” leider eine große Rolle spielen. Also sollte man immer vorsichtig sein mit solchen Erhebungen, aber eben noch vorsichtiger mit der bloßen Billigung der Tatsache und einem elitären “weiter-so”. Ich denke an Ehrlichkeit und schrecklichen Bildern hat es bisher nicht gemangelt, es muss also anders Überzeugungsarbeit für die Wiederaufbau- Mission in Afghanistan geleistet werden. Sowohl in Deutschland wie auch in Afghanistan. KritikerInnen gibt es auf beiden Seiten genug. Ein Strategiwechsel wie wir ihn als GRÜNE schon beschlossen haben wäre eine verantwortungsvolle Art und Weise.

  1. die atombombe ist kein gespenst, sie ist realität. der Atomkrieg ist näher als man denkt. eine sehr gute analyse der verkannten gefahrensituation. das kann aber nur der erste schritt sein. mehr ungehorsam gegen die alten und neuen feinde der umwelt.

  2. Ja Martin, deshalb sollte es ja auch wie ich geschrieben habe gezielte Aktionen im Sommer und Frühsommer geben. Wir sollten nicht vergessen welche reale Gefahr von Büchel ausgeht.

  3. Hallo Ario,

    da sagte dir also jemand, da wurden nur Männer befragt. Hm. Immer diese “stille Post”… Es gab in der jüngten Zeit zwei Veröffentlichungen zu AFG: Im Dezember veröffentlicht von Tagesschau, bei denen wurde “Bevölkerung” befragt, also auch Frauen, zumindest liegen dazu Ergebnisse vor:
    http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan92.htm
    Bei der FU-Umfrage wurden “Haushalte” befragt, da gehören sicher auch Frauen zu.
    Wieweit dort auf Quotierung geachtet wurde, wäre zu erfragen. Sicher sind aber regionale und traditionelle Unterschiede zu berücksichtigen.
    http://www.sfb-governance.de/media/news_links_data/SFB_700_Handout_Afghanistan.pdf

  4. Super, das liebe ich am Internet :) ! Danke! Somit stellt sich heraus dass es wohl wieder nur eine Ablenkung war von den Ergebnissen der Befragung…

  5. Hallo Ario,
    ich war im Workshop – Lessons learned – “Lessons Learned – wie weiter in Afghanistan?” – mit Jan Köhler von der FU, der die Umfrage in Afghanistan durchgeführt hat. Es ist tatsächlich so, dass die Fragen ausschließlich an Haushaltsvorstände gestellt wurden udn das sind in der afghanischen Gesellschaft praktisch nur Männer. Er sprach von einer Frau, die interviewt worden war.
    Außerdem hat er ausdrücklich bestätigt, dass die Studie nicht als repräsentativ angesehen werden könne. Auf einer Folie hat er dargestellt, wie dieregionale Verteilung war. Hohe Zustimmung ergab Ortsmrkierungen in grün, nierige in rot. Es gab eine Region mit fast nur grünen Orten, eine Region mit fast nur roten Orten, die beiden anderen waren gemischt, mehr grün als rot. Damit war auch klar, warum nicht repräsentativ: Die Ergebnisse sind regional so unterschiedlich, dass das Hinzu- oder Wegnehmen nur einer Region das Ergebnis verändern würde – ungefähr so, als würde man das Ergebnis der GRÜNEN in Rheinland-Pfalz und Thüringen auf das Bundesgebiet hochrechnen.
    Grüße
    Jörg

  6. …aber da muss ich euch Männer mal fragen:
    Haltet ihr Aussagen von afghanischen männlichen “Haushaltsvorständen” für unglaubwürdig? Oder: Sollten Umfragen, speziell in Afghanistan generell sein gelassen werden, bis sie repräsentiv genug sind und in unser grün-feministisches Weltbild passen?

  7. Ich halte eine Umfrage, in der praktisch ausschließlich Männer befragt werden, nicht für repräsentativ – und ich kenne niemanden, der das tun würde. Und mit Umfrage sollte nur Politik gemacht oder Politik begründet werden, wenn sie repräsentativ sind – was den Vorteil hat, dass man das nicht extra dazu sagen muss. Niemand käme auf die Idee, eine Internetumfrage für repräsentativ zu erachten – das ist so ähnlich.

  8. Lieber Jörg,
    ich habe Jan Köhler soeben eine Mail geschickt mit der Bitte, genau dieses , also das mit den “ausschließlich Mannern” einmal zu erläutern.

  9. werte mitleser und mitleserinnen,

    das iranische volk wird krieg führen mit der a-bombe, das sollte die weltgemeinschaft nicht zulassen. wer israel bedroht darf nicht ungeschoren davon kommen!

  10. Liebe Ruth. ich habe bereits in meinem Kommentar betont dass der Schlüssel für eine Lösung des iranischen Atomstreits Glaubwürdigkeit ist.. Ich denke niemand wird zulassen dass es zu einem Angriff auf Israel kommt. Ich kann dir versprechen dass sicher nicht “das iranische Volk” Krieg führen will. Die sind nach 30 Jahren Mullah Regime völlig apathisch und teils sehr apolitisch. Die politische Riege macht was sie will und selbst dort ist Ahmadinedschads Israel Polemik stark umstirtten. Ich teile deine Sorge, aber ich denke reine Rache Rethorik und Drohungen helfen nicht weiter, sie sind viel eher kontraproduktiv und führen zu na Solidarisierung mit dem Regime unterm Volk. Und das wollwn wir doch ebenso nicht wie einen Krieg, oder? Lasst uns auch wieder vertrauen haben in den gesundne Menschenverstand des “iranischen Volkes”. Denn “das” iranische Volk gibts schonmal eh nicht und zu aller letzt sind die IranerInnen alles Ahmadinedschads…!

  11. Mit Glaubwürdigkeit meine ich, ohne Irans Drohungen relativieren zu wollen, dass auch heute Indien, Pakistan, Israel, China. Russland und die USA in Krieg(ssituaitonen) sind. Und Indien soll bald als Atommacht anerkannt werden trotz Kaschmir. Und darüber redet keiner. Der Ansatz sollte nicht Schuldzuweisung sein sondern eine Atomwaffen freie Welt.

  12. Hallo, zu Israel/Iran teile ich Arios Meinung.
    Was die Afghanistan-Umfrage angeht: ich war auch in dem besagten Workshop, von dem Jörg hier schreibt, und in der Tat war es genau so, wie Jörg es beschrieben hat. Herr Köhler, der die Umfrage durchgeführt hat, hat bestätigt, dass die nicht repräsentativ sei, dass er sich dagegen verwehre, wenn andere die als repräsentativ bezeichnen würden, weil das ja auch schließlich seinen Ruf als Wissenschaftler aufs Spiel setzt, und dass in der Tat nur eine einzige Frau befragt wurde, die eben ein “Haushaltsvorstand” war. Ansonsten nur Männer.
    Ich finde die Umfrage durchaus interessant, sie erlaubt einige interessante Rückschlüsse auf die sehr vielschichtige Situation in Afghanistan (beispielsweise dass die Regionen, die so hoch der Präsenz der internationalen Militärs zustimmten, überwiegend bereits vorher eher friedliche Regionen waren), aber sie erlaubt definitiv keine Aussage zu den Fragen, ob die AfghanInnen mehrheitlich für oder gegen die ausländische Militärpräsenz sind und auch nicht auf die Frage, ob die “internationale Gemeinschaft” oder auch die Bundeswehr ihre Jobs in AFG gut erfüllt. Genau so wurde das aber auf dem großen Panel auf dem Friedenskongress von Fritz Kuhn u.a. dargestellt. Das ist entweder gezielte Meinungsmache mit falschen Behauptungen (Fritz sagte wörtlich “Die Umfrage ist annähernd repräsentativ) oder schlichte Unkenntnis. Beide Varianten finde ich ausgesprochen beunruhigend.

  13. Aus der Taz:

    BERLIN taz Eine “Uli” mit dichtem grauen Zopf brachte das Problem auf den Punkt: “Verstehe ich das richtig, dass wir über Militäreinsätze jetzt anhand von Meinungsumfragen im betroffenen Land entscheiden?”, fragte sie.

    Ist das jetzt die neue globale Innenpolitik? Aber gut auf den Punkt gebracht von der TAZ!

  14. TOLLES BLOG!

  15. 1. eine atombombe auf israel wäre gleichzeitig eine atombombe auf arabischen raum, oder etwa nicht?!
    2. wenn iran trotzdem eine atombombe (die sie ja eigentlich gar nicht haben) auf israel werfen würde, wäre das ein immenser schaden für den iran (überlegt doch mal, wer würde sich dann noch für einen dialog einsetze)?
    3.das weiss herr Ahmadinedschad doch ganz genau, und mal ganz ehrlich, egal wie verrückt der mann ist, einen krieg zum jetzigen zeitpunkt in der region würde sich wahrscheinlich noch nicht mal der wünchen

    4. mal abgesehn davon: das man vom kashmir konflikt hier nix mitbekommt ist definitiv ein problem deutscher medien, ich schaue beispielsweise jeden tag bbc nachrichten und die sind voll vom pakistan / indien konflikt, zwar wohl auch nur wegen commonwealth aber immerhin, man kann sich da als europäer schon erkundigen.

    und 5. zu der gesamten afghanistan diskussion. ich denke das man nicht darüber streiten muss dass das taliban regime sehr böse ist, und die westlich welt eigentlich schon vor dem 11.9 die pflicht hatte dagegen etwas zu unternehmen! problematisch ist viel mehr die struktur der taleban und der quaida. zum einen sind da anhänger die aus ärmsten verhältnissen dort anheuern, um ihre familie zu ernähren. ich denke solche menschen könnte man viel eher durch “arbeitsplätze” also in irgendeineiner weise durch beschäftigung die bezahlt wird davon abbringen, sich nicht terroristischen organisationen anzuschliessen. und zum anderen (meineserachtens das kernproblem) sind da die menschen, die seit sie denken können in irgendwelche fundamentalen koranschulen gehen und diese meinung verinnerlicht haben. also was tun dagegen. ich bin ein mensch der kriege und militär eigentlich ablehnt, aber was mich stört bei der ganzen afghanistan diskussion ist, dass ich das gefühl nicht loswerde, dass es viele leute gibt, die ohne nachzudenken gegen einen krieg sind ohne aber alternativen zu nennen. ich meine, gegen ein frauenfeindliches regime wie die taliban oder eine terrororganisation wie al quaeda, die jeden tag selbstmordattentäter rekrutiert und losschickt muss doch etwas getan werden, oder etwa nicht!? ich würde mir da ein wenig mehr “um die ecke denken” wünschen in der gesamten diskussion. ich kann da auch ein buch weiterempfehlen, es heisst ” das verbotene gesicht” von einer unbekannten autorin aus afghanistam. es beschreibt die hoffnungslosigkeit der afghanen die sich eigentlich frieden wünschen, es beschreibt die gesamte härte des taliban regimes aber auch (!) von versäumnissen die die USA aber auch die gesamte westliche welt mitzutragen haben. echt ein super buch auch zu diesem thema. naja, ein bisschen alternative würde ich mir wünschen. mein vorschlag: baut dort eine vernünftige wirtschaft aus, von der die menschen in afghanistan etwas haben und nicht eine, mit der sich die westliche welt allein berreichern kann. gibt den menschen arbeit und essen! droht den menschen nicht, sondern geht mit ihnen in einen dialog, egal was in der vergangenheit passiert ist! das ist meineserachtens die einzige chance die afghanistan hat, und sie wird höchstwahrscheinlich nicht genutzt. sehr schade

    die diskussion hier finde ich super, deinen blog ja sowieso ario :)
    also ich wünsch euch was

    wann bist du mal wieder in köln ario?

  16. Hey, Ostern lieber Finn! Danke für die Blumen und deinen Beitrag. Hau rein!

  17. Hallo,
    kurz ein paar Infos zu der FU-Umfrage:
    Die wurde in 4 ländlichen Gegenden im Nordosten Afghanistans durchgeführt, also in dem Gebiet, in dem die Bundeswehr hauptsächlich tätig ist. Bei der Auswahl der 4 Gegenden hat man versucht, ungefähr einen Querschnitt (geografisch, ethnisch, bezogen aufs lokale Konfliktniveau) vom Nordosten des Landes abzubilden; deshalb kann man sagen, dass die Studie wohl annährend repräsentativ für den Nordosten Afghanistans (nicht für das gesamte Land!) ist.
    Richtig ist, wie schon angemerkt wurde, dass Haushaltsvorstände befragt wurden und das sind in ländlichen Regionen in Afghanistan halt leider wirklich fast immer Männer. Das ist natürlich repräsentativ ein Problem, anders ist es aber leider kaum möglich. Frauen dürften nach den (ländlichen) Traditionen in Afghanistan nur von anderen Frauen befragt werden, diese müssten wiederum immer von einem männlichen Verwandten (bzw. vom Ehemann) begleitet werden. Das an sich wäre schon ein logistisches, aber evtl. noch lösbares Problem. Insbesondere erlauben aber selbst in einem solchen Fall viele Dorfräte generell keine Befragung von Frauen.
    Ich kann nur sagen, dass sich die Ergebnisse der Studie (nämlich dass im NORDOSTEN des Landes die Bevölkerung die Anwesenheit der internationalen Truppen mehrheitlich begrüßt, weil sie als Garant für Sicherheit wahrgenommen werden) mit Eindrücken decken, die mir zwei Bekannte (Frauen) erzählt haben, die in der Region dort einige Zeit für NGOs tätig waren und auch die Möglichkeit hatten mit afghanischen Frauen darüber zu sprechen.
    Genauso sicher bin ich mir allerdings, dass eine solche Umfrage in anderen Gegenden des Landes, insbesondere im Süden und Südosten Afghanistans, wo halt weiterhin offener Krieg mit unzähligen zivilen Opfern herrscht, sehr viel anders ausfallen würde.

    Die roten und grünen Ortsmarkierungen, die Jörg angesprochen hatte, standen nicht für unterschiedliche Zustimmungsmarken zur Anwesenheit der ausländischen Truppen, sondern für das allgemeine Sicherheitsgefühl in den entsprechenden Gegenden (grün= kein/ niedriges allgemeines Unsicherheitsgefühl; rot= hohes allgemeines Unsicherheitsgefühl). Das ist halt selbst im Nordosten Afghanistans immer noch sehr unterschiedlich, hatte aber in den meisten Gegenden allgemeine Kriminalität als Hauptursache.

    Problematisch ist vor allem, dass die afghanische Zentralregierung praktisch überhaupt nicht als relevanter Akteur wahrgenommen wird (insbesondere nicht als Garant von Sicherheit, aber auch in fast allen anderen Politikbereichen nicht). Wichtig sind nur die internationalen Truppen und die lokalen Strukturen. Da muss man natürlich fragen, ob das nicht ein großes Problem für die Nachhaltigkeit des ganzen Programms ist, wenn die internationalen Truppen die Rolle einnehmen, die mittel- bis langfristig (laut den internationalen Plänen) die Zentralregierung einnehmen sollte. Es könnte aber auch natürlich sein, dass es in ländlichen Regionen Afghanistans einfach insgesamt eine unrealistische Erwartung ist, dass eine Zentralregierung als Autorität wahrgenommen wird, da traditionell nun mal eher lokale Strukturen (Stammesräte, Ältestenräte) als Autoritäten anerkannt werden.
    Wer genauere Details zu der Studie und auch zu der Methodik haben will, sollte sich die am besten einfach mal selber durchlesen, der entsprechende Link wurde ja schon gepostet.

  18. hallo michae, danke für die infos. sorry dass ich deinen kommentar erst jetzt frei geschaltet habe, er war im spam ordner gelandet. gruß ario

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