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Don’t touch the holy cow!

1. Juli 2008 · 2 Kommentare

In den letzten Tagen gab es einige Turbulenzen wegen der Pressemitteilung der GRÜNEN JUGEND die sich kritisch mit der in einigen schwulen Teilszenen verstärkt auftretenden Islamophobie und einer in einigen Szenen existenten Diskriminierung auseinandersetzt.

Trotz der Undifferenziertheit die in der veröffentlichten Version durch das Fehlen des Wörtchens „einigen“ und ungenaue Wortwahl Irritationen ausgelöst hat (wurde mittlerweile ganz gelöscht der Satz) denke ich bei diesem Punkt sollte Wachsamkeit geboten sein. Der Versuch einiger (auch schwuler) Rechtspopulisten den Clash of Civilizations auf die freiheitliche Gesellschaft runterzubrechen droht in meinen Augen zu fruchten. Schon heute sprießen pseudo- freiheitliche „Gay- Blogs“ aus dem Boden die nicht mehr und nicht weniger machen als undifferenziert über Muslime in Deutschland zu berichten und diese als Gefahr ihrer eigenen schwulen Identität zu sehen. Ich habe aber keine Angst vor KreuzbergerInnen und NeuköllnerInnen und sage: Geteilte Freiheit ist doppeltes Unrecht. Deswegen sollten in einer pluralistischen Gesellschaft alle Minderheiten (denn um die geht es bei Freiheit immer ein bisschen mehr als um die Mehrheit) an einem Strang ziehen um ihren Lebensentwurf in Freiheit und Würde leben zu dürfen. Dazu gehört Lack & Leder genauso wie Turban & Freitagsgebet.

Ich persönlich habe es satt bei Gayromeo ständig mit dem Wort „Südländer“ und einem in meinen Augen gefährlichen Exotismus konfrontiert zu werden. Diskriminierungen a la „keine Schlitzaugen“ oder subtilere in Form von völkischen Tätowierungen, Nazikleidung und Co. gehören auch in der schwulen Szene nicht in dem Maße zur Seltenheit wie mir in den letzten Tagen einige Aktivistinnen zu vernitteln versuchten. Fand unsere PM im Kern richtig und gut – leider fehlt nun in der aktuellen Version dieser Bezug ganz. Aber auch die Punkte Entpolitisierung und Kommerzialisierung sind enorm wichtig. Bei einigen Menschen die auf dem CSD mitlaufen denke ich mir wirklich jedes Mal ob wir wirklich den selben Streit mit den selben Mitteln für die selbe Sache führen. Bleibt die Frage: Wo finden Menschen, die ein ambivalents Verhältnis zur „klassischen Szene“ haben ihren CSD?

In diesem Jahr habe ich mich neben dem traditionellen CSD auch für den Transgenialen CSD in Berlin ausgesprochen und finde ihn gar nicht so schlimm wie manche sagen. Auch wenn auf diesem alternativen CSD Parteijugendorganisationen nicht gern gesehen sind war es – wie viele Freunde denen ich es abkaufe sagten – ein schönes Fest. Und by the way: Manchmal kann es auch ganz gut sein ohne Parteijugenden zu planen. Werbung bleibt Werbung – auch von Parteijugenden. Werde im nächsten Jahr wieder zum Transgenialen CSD gehen, denn der Berliner CSD gefällt mir manchmal einfach nicht von der Stimmung und der Mehrheit der Menschen. Dagegen war der Transgniale CSD alternativ, werbefrei, ökologisch korrekt und entspannt. Diesen Eindruck hatte ich auch im letzten Jahr und hoffe wieder hingehen zu können falls nicht zeitgleich Fusion ist. Denn das Fusion- Festival geht nunmal vor.

Zur inhaltlichen Kritik am Transgenialen CSD in Berlin kann ich sagen dass sie teilweise berechtigt ist, aber nicht dazu führen darf ihn zu verteufeln. Beide CSD- Modelle haben Vor- und Nachteile. Als Korrektiv wird aber der Transgeniale CSD in meinen Augen weiterhin gebraucht. Es fehlt dem Transgenialen CSD zwar an einem Forderungskatalog, aber Transparente lesen und mit Individuen reden geht ja auch.

Kategorien: Politik · Queer
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2 Antworten bis hierher ↓

  • Grüne Jugend für einen politischen CSD « Maik`s geblogge // 1. Juli 2008 um 16:13 | Antworten

    [...] 1.6.08: Arion hat in seinem Blog einen sehr lesenswerten Text geschrieben, auf den ich gerne hinweisen [...]

  • Maik B. // 1. Juli 2008 um 16:29 | Antworten

    Sorry hab mich beim Namen vertippt.

    Die teilweise sehr seltsamen Nutzer bei GAYROMEO sind mir übrigens auch schon aufgefallen.
    Einmal hab ich das Profil von jemandem gesehen, der nicht auf beschnittene steht, was er mit den Worten „keine Judenschwänze bitte“ zu Ausdruck gebracht hat.
    Ausserdem gibt es da offen nationalistische Communities, die sogar erschreckend regen Zulauf haben.

    Ich finde die Erklärung der grünen Jugend absolut notwendig, da hier auch mal eine offene Kritik an Teilen der Schwulen Szene geübt wird, die man sich ja sonst eher verkneift.
    Dabei sind die ganzen Schwuppen, die sich momentan als Propagandisten einer erstarkenden Islam- und Fremdenfeindlichkeit generieren besonders gefährlich.
    Sie geben sich als Verteidiger einer liberalen Gesellschaft und kaum einer merkt, welch stockreaktionärer Geist dahinter steht.

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