… und überlebt!
Aber es kommt noch schlimmer: Die Justizministerin macht auch noch mit bei diesem Unfug. Was? Ihr glaubt das nicht? Schaut selber!
Auf Einladung des hoch geschätzten Chef- Kolumnisten (nicht Kommunisten!) Herrn Wagner aus der BILD-Zeitung begibt sich unsere geliebte Justizministerin Zypries „unter die Erde von Berlin“:
[...] die Wände sind mit Spray beschmiert, zwei Typen in Gangster-Rap-Klamotten tauchen auf. Meine Tante würde ohnmächtig werden.„Ich kann verstehen, dass manche älteren Menschen sich bedroht fühlen“, sagt die Ministerin. „Auch wenn nicht jeder, der wild aussieht, auch gefährlich ist.“
Weise Worte der Justizministerin. Es folgt eine kurze Rückblende die dem erstaunten Leser verdeutlichen soll wie es überhaupt zu diesem Survival- Trip kommen konnte:
Es ist 11 Uhr nachts. In meiner Kolumne hatte ich die Justizministerin Brigitte Zypries (54, SPD) aufgefordert, mit mir U-Bahn zu fahren, weil sie meiner Meinung nach eine Verharmloserin ist. Auge in Auge wollte ich mit ihr die Situation erleben. In der U-Bahn riecht es nach abgestandenem Leben.
Soso, abgestandenes Leben also. Es soll ja Leute geben die genau wegen diesem speziellen U-Bahn- Geruch nach Berlin ziehen – um auch mal was anderes als Kuhmist zu riechen. Nachdem wir nun also wissen was Herr Wagner mit dem Duft von frisch gebackenen Croissant und Plastik verbindet kommen wir nun zu den persönlichen Schiksalen der Großstadt, diese dürfen natürlich in ihrer Komplexität und Tiefe nicht zu kurz kommen:
Wir steigen ein, fahren durch die Problemviertel Berlins. Drei Betrunkene steigen zu, sie haben Bierflaschen in den Händen. Ich habe keinen Augenkontakt mit den Biertrinkern. Frau Zypries auch nicht. Wir sprechen über die Architektur der Großstädte, die auch Gewalt auslöst, über Hochhäuser.
Uiuiuiuiui, drei Betrunkene und dann auch noch bewaffnet! Ich würde Herrn Wagner dringend davon abraten in den nächsten Wochen in Köln, Düsseldorf oder Koblenz zu gastieren. Das Risiko, von betrunkenen, gewaltbereiten und zudem maskierten Jugendlichen mit Konfetti attackiert zu werden ist schon um 11 Uhr morgens bedrohlich hoch!
Aber wozu gibt es Notrufsäulen:
Wir steigen aus. „Wohin soll ich fliehen“, frage ich die Ministerin, „wenn die Schläger mich verfolgen?“ Vor mir und hinter mir der U-Bahn-Schacht. Die Ministerin sagt: „Es gibt Notrufsäulen am Ende und am Anfang jeder U-Bahn-Station. Auch ein Kind oder Rollstuhlfahrer kann den Knopf drücken. Es ist der unterste.“
Falls es Herrn Wagner entgangen sein mag, es gibt in der Regel auch einen Ausgang – wenn er Glück hat sogar zwei plus funktionierende Rolltreppe! Doch einmal in Panik geraten lässt sich Herr Wagner nur schwerlich beruhigen:
Ich stelle mir vor, wie ich blutüberströmt zu der Notrufsäule krieche und den untersten Knopf erreiche.
That’s Drama! Besser hätte es Hitchcock nicht ausdrücken können. Vielleicht haben sie ja beim Tatort noch Verwendung für unseren Herrn Wagner. Aber vorher muss er noch in ganzen Stücken dem Vorhof zur Hölle entsteigen:
Wir nehmen die nächste U-Bahn Richtung Osloer Straße. Um uns herum die müden starren Gesichter, einsam, verloren. Untergrundfahrer-Gesichter, Unter-der-Erde-Fahrer. Niemand guckt jemanden an. Niemand interessiert sich für einen.
Wir sehen Bettler mit Hunden, ich gebe 1, 2 Euro. Wir gehen hoch zur Oberwelt. Ich sage der Ministerin, dass ich lieber über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.
Hui, ganze „1, 2 Euro“. Und das sogar nach Weihnachten, sehr edel! „Unter-der-Erde-Fahrer“. Klingt für mich ja bisschen wie dieser Trend aus den End-90ern. Wisst ihr noch? Da gabs Warmduscher, Achselhaar- Rasierer, Klobrille-hoch-Macher, sich den Arsch mit Klopapier- Abputzer und viele weitere total witzige Dinge. Na jedenfalls scheint Herr Wagner fest daran zu glauben, diese „Unter-der-Erde-Fahrer“ würden in der U-Bahn leben. Anders kann ich mir seine überschwengliche Freudenbekundung hinsichtlich der „Oberwelt“ nicht erklären. Ob er die Wahrheit wohl vertragen wird? Herr Wagner, diese Leute wohnen „oben“! Und der Weihnachtsmann … ach egal! Nur eine Sache noch: Vorsicht im Supermark, ihr könnt nie wissen wer sich nicht vielleicht gerade noch in der U2 Richtung Alex rumgetrieben hat.
Zeit für ein Resümée:
Bei unserer U-Bahn-Fahrt geschah nichts. Wir wurden nicht verprügelt und nicht krankenhausreif geschlagen – aber ich war froh, dass wir aus der U-Bahn-Welt raus waren und der Himmel funkelte und ich atmen konnte.
Na toll! Wo sind die Ausländer wenn man sie mal braucht?
Weiterführende Links zum Thema: Post von Wagner. Titel: „Ihr verdammten U-Bahn Schläger“ (Zitat: “ Was ich sagen will: Ich will Euch nicht mehr in meinem Deutschland sehen“)
Bleibt mir nur in guter alter BILD manier zu sagen: JAWOLL!
10 Antworten bis hierher ↓
tassolamento // 23. Januar 2008 um 03:54 |
Asal // 23. Januar 2008 um 12:39 |
Super!!
Peter // 23. Januar 2008 um 12:51 |
dieser herr wagner hat echt nicht alle tassen im schrank :s
Ario // 23. Januar 2008 um 12:58 |
herr wagner ist real satire vom feinsten
Leif // 23. Januar 2008 um 17:15 |
in zeiten wie diesen, in denen zwischen u-bahn und dschungelcamp die gefühle schwanken beweist uns die „bild“ doch wieder dass sie super ist
streettagger // 23. Januar 2008 um 17:35 |
hey,
das finde ich mal einen super beitrag. weiter so
ernesto // 24. Januar 2008 um 02:45 |
bild dir deine meinung
„sich-ihre-meinung-bilder“
jaja die bild ist schon ein tolles stück papier
Fatima // 25. Januar 2008 um 12:29 |
Anstatt die Migrantengewalt zu bekämpfen, geben sich unsere tollen Politiker für derartige Spielchen her!
Einfach irre!
Man sollte viel mehr Sozialarbeiter einstellen, um Herr über diese Heere von gewalttätigen (männlichen) Jugenlichen zu werden.
Hehe… « verruecktewelt.wordpress.com // 28. Januar 2008 um 21:29 |
[...] Januar , 2008 Mal ein lustiger Blog-Eintrag zum Thema Jugendgewalt, und was gewisse Medien im Moment daraus machen… Posted by liiiiisaaa Filed in Uncategorized Tags: internet, [...]
Ario // 29. Oktober 2008 um 10:00 |
Klassiker