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CASTOR-Protest 2.0

12. November 2008 · Kommentar schreiben

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Foto by Stefan Ziller

Nicht nur im niedersächsischen Gorleben, im ganzen Bundesgebiet erlebte die Anti-Atom-Bewegung in den Tagen vom 7.-10. November diesen Jahres eine Renaissance. Auch aus Köln und Berlin waren wir Atomkraftgegner in etlichen Bussen, Mitfahrgelegenheiten und per Zug ins Wendland gekommen um den Atommülltransport aus dem französischen Wiederaufbereitungslager La Hague zu stoppen.

Seit nun mehr 30 Jahren protestieren im Wendland , Bäuerinnen und Bauern und Atomkraftgegner aus der ganzen Welt gegen das Zwischenlager Gorleben und den daneben entstehenden Erkundungssalzstock für das Endlager in Gorleben. Hier soll in einem porösen Salzstock hochradioaktiver Müll für mehrere Millionen Jahre eingelagert werden. Im ebenfalls niedersächsischen Salzstock ASSE zeigte sich das bereits nach 25 Jahren säurehaltiges Wasser eindringt und den darin gelagerten Atommüll anfraßt. Unglaubliche 16.000 Demonstranten kamen deshalb am Samstag in das kleine Örtchen Gorleben – genauso viele Beamte brauchte übrigens die Polizei um den Weg für die Castor-Behälter frei zu machen. Neben der größten Demo aller Zeiten fiel eine Sache besonders auf:

Die Bewegung hat sich radikal verjüngt!

Der Atomkraftgegner von heute trägt nicht nur selbst gestrickte Woll-Pullis und Birkenstock-Sandalen sondern auch mal Carhartt und Clarks. Neben ‘68er-Liedern gibt es Punkrock und Jazz zu hören. Die Anti-Atom-Sonne darf trotzdem nicht fehlen! Die Stimmung ist gut, nicht zuletzt weil auch alte Bekannte von der Anti-Nazi-Blockade Köln und dem G8-Gipfel dabei sind: Die Clowns-Army. Schon während der Demo erreicht uns die Nachricht dass drei junge Aktivistinnen und Aktivisten sich in Baden-Württemberg an die Gleise angekettet und einbetoniert haben. Damit haben sie den Zug ganze 13 Stunden aufgehalten. Rekord an diesem langen Wochenende. Wir begannen damit die Zufahrt direkt vor dem oberirdischen Zwischenlager zu bestezen. Rund 1000 Menschen harrten hier in selbst gebauten Zelten und gut versorgt durch Volksküche und die leckersten Äpfel die ich je gegessen habe rund 48 Stunden aus. Mit dabei auch viel Polit-Prominenz und viel High-Tech. Denn nicht nur die Bewegung ist moderner geworden, auch die Kommunikationswege. SMS-Verteiler, Handyschalten des Piratensenders Freies Wendland und auch GPRS machen es den Cator-Gegnern heute einfacher ihren friedlichen Protest zu organisieren. Vereinzelte brennende Barrikaden helfen dabei sicher weniger als der kreative Protest der BäuerInnen und Bauern oder von Gruppen wie Robin Wood. Letztere schafften es immer wieder sich in Bäume, Laternen und Co. abzuseilen und damit die Strecke zu blockieren. Die beiden Betonpyramiden der Bäuerlichen Notgemeinschaft taten ihr übriges. Die Polizei hatte noch am Montag Abend Mühe die darin angeketteten acht Bäuerinnen und Bauern zu befreien.

Montag Nachmittag hieß es nämlich für uns: 3. Aufforderung nicht befolgt…Räumung! 2-4 Beamte schleppten und schleiften uns von der Straße. Die Mehrheit ohne gewalttätig zu werden. Alles in allem war es mal wieder ein sehr politisierendes Wochenende und ich habe nebenher in vielen Gesprächen wieder viel gelernt über die Risikotechnologie Atomkraft. Ich hoffe dass auch 2010 wieder genau so viele Menschen dabei sein werden. Die Solidarität, die generations-übergreifende Freundlichkeit und die Hoffnung etwas zu bewegen waren wirklich beflügelnd, um nicht zu sagen radikalisierend.

Kategorien: Politik
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