
Foto Flickr (gisiger unter CC-Lizenz)
Neologimus [frz. néologisme, zu griech. néos = neu u. lógos, →Logos] bezeichnet eine Wortneuschöpfung. Diese kann sowohl auf bereits existierenden Worten beruhen als auch völlig neuartig sein. Dieser Tage scheinen sich Banker, Politiker und Journalisten im kreieren neuer Wörter aufs Neue zu überbieten. Konjunkturpaket, Schuldenbremse, Kreditklemme. Das sind nur drei Beispiele dafür wie die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise auch den Sprachgebrauch der Gesellschaft beeinflußt. Doch was bringt es einem, sich solche Wortneuschöpfungen auszudenken? Es macht die Krise zunächst einmal greifbarer. Kreditklemme klingt einfacher und vor allem viel freundlicher als schwerwiegende Liquiditätskrise des Bankensektors. Dies wäre ja bloß noch eine Krise. Dabei streiten sich die Wissenschaftler noch ob es den Begriff überhaupt so eindeutig gibt. Zu spät würde ich sagen. Das neue Wort macht schon die Runde während sich andere noch über seine Existenz streiten. Ganz so neu scheint die Schuldenbremse hingegen nicht zu sein. Diese soll es schon seit 2001 geben. Eingeführt wurde sie in der Schweiz. Während sie dort das Gleichgewicht von Einnahmen & Ausgaben über den Konjunkturzyklus hinaus bezeichnet, ist es in Deutschalnd noch unklar was die CDU/CSU damit meint. Die Wirkung ist aber klar: Bloß nicht den Eindruck erwecken der Staat muss neue Schulden machen! Dass dies unausweichlich ist, dürfte den Politikern klar sein. Somit kreiert man hektisch ein neues Wort, ein linguistisches Placebo quasi. Dieses verabreicht man den wirtschaftspolitisch konservativen Wählern dann bis zur Bundestagswahl. Auf dass sie bis dahin still halten. Und das Konjunkturpaket? Das schön zurecht geschnürte und aufgeschnürte und wieder zugeschnürte Konjunkturpaket? Dieses wird wie es aussieht seine Empfänger nie erreichen. Trotzdem ein schönes Bild, wie die Kanzlerin da sitzt und das Packpapier ausschneidet, das Paket zusammenpackt, die zerbrechlichen Teile in Zeitungspapier wickelt und das ganze zuschnürt. So ein Paket ist schon was schönes.
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