Immer wieder geistert der Begriff der Parallelgesellschaft durch die Medien. Parallelgesellschaft steht dabei für unterschiedlichste, negativ besetzte Dinge wie etwa Integrationsdefizite der zugewanderten Menschen, Verharmlosung von Straftaten („Ehrenmorde“), religiösen Dogmatismus und vieles mehr. Dabei verkennt man, dass unsere moderne Gesellschaft eine Gesellschaft der Parallelgesellschaften ist. Wer in einem post-aufklärerischen Sprachduktus von Leitkultur, „den Moslems“, „den Türken“ und „den Juden“ sinniert, der stellt die Errungenschaften der liberalen Gesellschaft in Frage. Gesellschaftspolitik bedeutet für mich, dass das Inidividuum im Vordergrund steht. Eine Kollektivisierung lehne ich genauso ab, wie Kritik an dem Recht jedes Einzelnen sich sein Umfeld in dem er Leben möchte selbst auszusuchen. In einem wichtigen Abstraktionsschritt gilt es nämlich, das Zusammenleben aller Individuen friedlich, sozial gerecht und freiheitlich zu organisieren. Nicht die Parallelgesellschaften an sich zu verbieten. Eine Gesellschaft wird dann mehr sein als die Summe ihrer Einzelinteressen. Ist der Schöneberger Schwulenkiez keine Parallelgesellschaft? Ist das technoide Feiervolk Berlins nicht eine Parallelgesellschaft? Kann ich nicht zwischen den Parallelgesellschaften hin und her wandern und macht dies eine Gesellschaft nicht erst zu dem was sie ist? Parallelgesellschaften sind nichts Neues. Früher hießen sie Subkultur. Eine pauschale Ablehnung führt in meinen Augen zu einer post-aufklärerischen Leitgesellschaft. Zweifelsohne, Grundwerte der Verfassung müssen in allen Teilen der Gesellschaft gelten. Dies betrifft nicht nur Zugewanderte.
Parallelgesellschaft? Ja bitte!
2. Februar 2009 · 4 Kommentare
Kategorien: Politik · Queer
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4 Antworten bis hierher ↓
Michael // 13. Februar 2009 um 18:28 |
sehr gute thesen! wäre schön wenn politische liberalität tatsächlich mehr zählen würde in deutschland. leider neigen die menschen in krisenhaften zeiten zu „einfachen“ antworten und viel konformität. da ist wenig platz für gesellschafts-liberale thesen.
Boemund von Tarent // 17. Februar 2009 um 23:19 |
Finden Sie, dass ein Muslim die Freiheit haben sollte seine Frau zu ermorden wenn diese für sich die Freiheitsrechte ihrer deutschen Freundinnen beansprucht?
Eine liberale Gesellschaft ist nur möglich wenn die darin lebenden Individuen auch liberal denken.
Beim jüngsten Ehrenmordprozess hat ein pakistanischer Muslim seine 16 jährige Schwester aus Liebe mit 23 Messerstichen abgeschlachtet. Vor Gericht beteuerte er glaubhaft (ironisch gemeint) dass er sie doch nicht habe töten wollen.
In den USA hat ein Muslim seine Frau enthauptet weil diese sich von ihm scheiden lassen wollte. Der Mann war übrigens ein Betreiber eines islamischen Radios. Er wollte damit beweisen, dass Muslime nicht nur Terroristen sind.
Ario // 18. Februar 2009 um 08:13 |
Straftatbestände dürfen nicht kulturell relativierbar sein. Da gebe ich ihnen Recht! Und der Vorsatz einer Tat lässt sich zum Glück nicht daran messen, ob man es „ja eigentlich gar nicht wollte“ sondern sich provoziert fühlte. Die Aussage geben auch andere Täter gerne von sich. Das ist Metaebene, die hoffentlich nicht strafrechtlich relevant ist.
Aber in einem Punkt gebe ich ihnen nicht Recht, eine liberale Gesellschaft muss auch iliberale Elemente bis zu einem gewissen Momentum aushalten können!
antifo // 20. März 2009 um 13:10 |
Wodurch sich so eine moderne, multikulturelle Gesellschaft auszeichnet, kann man hieran ermessen:
http://antifo.wordpress.com/2009/03/17/nicht-nur-deutsche-richter-haben-angst/