Foto Flickr (a_kep unter CC-Lizenz)
Deutschland ist ein Zuwanderungsland, dies stellt hoffentlich keiner mehr in Frage. Auf der kommenden Landesdelegiertenkonferenz (LDK) von Bündnis 90/Die Grünen NRW wird es auch einen Antrag B-01 zum Thema Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen geben. Leider fehlte mir darin die integrationspolitische Dimension die Bildungspolitik inne hat. Deshalb habe ich einen Änderungsantrag verfasst, der zentrale Integrations-Forderungen von mir und den Grünen beleuchtet. Ich würde gerne an dieser Stelle einige der Thesen aus meinem Änderungsantrag aufgreifen und näher erläutern. Dabei möchte ich betonen, dass Integrationspolitik in meinen Augen ein Querschnittsthema ist. Es beinhaltet Innenpolitik, Bildungspolitik, Sozialpolitik – ja sogar Gesundheitspolitik. An dieser Stelle soll es speziell um integrationspolitische Anforderungen an die Bildungspolitik in Deutschland und speziell in NRW gehen.
Zunächst muss es eindeutig mehr Lehrer und Lehrerinnen mit Migraitionshintergrund geben. Hier wurde schon viel getan – aber immernoch zu wenig um es Erfolg zu nennen. Nur durch mehr Diversität im Lehrerzimmer können alle Kinder sich mit den Lehrkräften auch identifizieren. Role-Models sind essentiell für die Entwicklung von Jugendlichen. Außerdem verfügen Lehrkräfte mit Migrationsdhintergrund über verstärkte interkulturelle Kompetenz. Meine Schwetser ist ein gutes Beispiel dafür. Das heißt konkret, sie wissen wie es in türkischen oder iranischen Haushalten aussieht. Das gilt es für die Schule positiv zu nutzen. Sie können ganz anders auf die SchülerInnen und Lehrerkollegen zugehen. Sie können zwischen Schülern und Lehrerer, Eltern und Schule vermitteln. Diversity, sprich Vielfalt ist ein Gewinn, keine Gefahr. Dies hat die Wirtschaft bereits verstanden. Wann begreift es die Politik?
Eine weitere Forderung ist die nach der Anerkennung von Türkisch und Arabisch als schulische Fremdsprachen. Heutzutage ist es doch ein großer Gewinn, wenn Kinder und Jugendliche mehrere Sprachen sprechen. Nur bei „den Türken“ ist es immer ein Problem. Das ist doch paradox. Da wird auf Schulhöfen sogar verboten Türkisch zu sprechen, während anderswo an den englischen Privatschulen Kölns und Berlin Kinder sogar gezwungen werden überall nicht deutsch zu reden. Leider werden die Herkunfssprachen der Schüler hierzulande wenig geschätzt. Das Resultat: Viele Kinder sprechen weder Deutsch noch ihre Herkunftssprache in ausreichendem Maße. Dabei lernen Kinder, die bereits eine Sprache sprechen viel besser Deutsch und andere Sprachen als die, die nichtmal ihre Muttersprache können. Deshalb sollten Türkisch und andere Sprachen die Aufmerksamkeit kriegen, die Sprachen wie Englisch, Französisch und Spanisch auch bekommen.
Wo wir gerade bei den Herkunfssprachen sind: Auch die Eltern brauchen in diesem Punkt oftmals Förderung. Informationen müssen auch in der Sprache der Eltern zugänglich sein, falls diese noch nicht über genug Deutschkenntnisse verfügen. Gegner argumentieren, dass man so Integrationsbemühungen konterkarieren würde und den Leuten nur signalisiere „lernt kein Deutsch“. Das ist schlichtweg falsch! Wer Eltern auf diesem Weg der Ansprache in der herkunftssprache aktiviert, der fördert auch ihre Integrationsbemühungern und beteiligt sie am Bildungsverlauf ihrer Kinder. Hier spielen vor allem die oben geforderten mehrsprachigen Lehrkräfte eine besondere Rolle. Viele Eltern sind heutzutage leider vom schulischen Alltag ihrer Kinder abgekoppelt und können somit auch nicht den Aufagben gerecht werden, die die Mehrheitsgesellschaft und die Schule an sie stellen. Wenn man sie hierbei unterstützt, dann wirkt sich dies auch positiv auf den Nachwuchs aus.
Neben den unterschiedlichen Herkunftssprachen sollten auch die unterschiedlichen Religionen und kulturellen Identitäten ihren Platz im Lehrplan haben. Ein verpflichtender Ethikunterricht, wie er in vielen Bundesländern schon existiert, kann dazu beitragen den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu fördern und Gemeinsamkeiten aller Menschen wie z.B. universelle Menschenrechte und die Achtung des Grundgesetzes zu vermitteln. Nur so kann ein moderner Gesellschaftsvertrag innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft auch verwirklicht und mit Leben gefüllt werden. Muslimischer Religionsunterricht muss neben allgemeinem Ethikunterricht genauso möglich sein wie jüdischer und christlicher Reli-Unterricht. Dabei muss klar sein, dass alle Lehrkräfte die an deutschern Schulen religiöse Ansichten unterrichten hier auch ausgebildet sein müssen. Eine Initiative, die wie in Berlin den Ethikunterricht dem Religionsunterricht gleichstellen will ist fatal! Differenzen schätzen, Gemeinsamkeiten lehren. Das sollte Antrieb unserer grünen Bildungspolitik sein.
Eine relativ neue Forderung ist die verstärkte Thematisierung der deutschen Zuwanderungsgeschichte in den Lehrplänen. Hier kriegen Kinder mit Migraitonshintergrund noch of gesagt „das ist nicht eure Geschichte, was kümmert euch das also?“. Deutsche Geschichte geht jeden was an, aber darüber hinaus sollte auch die Zuwanderungsgeschichte im ehemaligen West- und Ostdeutschland mehr Bedeutung kriegen als heute. Nur so können sich auch die im Geschichtsunterricht angesprochen fühlen, die einen Bezug zu der Biographie ihrer Eltern haben. Ausserdem schadet es in einer zunehmend globalisierten Welt nicht, in der Schule über globale Migrationstsröme zu reden.
Integrationspolitik ist manchmal kleinschrittig und ermüdend. Oftmals hat man das Gefühl, es bringe nichts. Immer und immer wieder fordert man die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystemsund streitet für Innovationen im Bildungsbereich. Bisher taten sich viele Menschen, allen voran die Konservativen, noch schwer mit grünen Ideen. Wir Grüne werden und wurden als „Multikulti-Spinner“ tituliert. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Es ist noch ein langer Weg – und wir Grüne haben den Atem. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es um mehr geht als Deutsche und Nicht-Deutsche. Viele Integrationsdefizite sind soziale Probleme. Viele Integrationsdefizite sind Bildungsprobleme. Dies zeigt, Integration ist ein Querschnittsthema und es wird höchste Zeit etwas zu verändern. In NRW und in der ganzen Republik.
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