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O’zapft is – Saufen als Kulturgut

19. September 2009 · 3 Kommentare

oktoberfestGute Stimmung beim Oktoberfest (Flickr User capt unter CC-Lizenz)

Wie jedes Jahr heißt es auch heute wieder von höchster Stelle der Stadt „O’zapft is“ in München. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat sichtlich Spaß am alljährlichen Fassanstich des Oktoberfestes, einem der größten Volksfeste der Welt.  Durchschnittlich werden pro Jahr Durchschnittlich 60.000 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Das entspricht 12.000.000 Flaschen Bier. Der Gesamtumsatz des Oktoberfestes beläuft sich auf 450 Millionen Euro – Brathändl mitgezählt. Das wäre ja alles nicht so scheinheilig, wenn der Freistaat Bayern nicht einer der rigorosesten Verfolger von sogenannten Vergehen mit anderen Substanzen wäre. Die eine Droge verteufelt man, die andere betet man förmlich an. Desweiteren scheint gerade auch in Bayern die Symbolpolitik Einzug gehalten zu haben. So mehren sich auch aus dem südlichsten Bundesland die Stimmen, die generelle Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen fordern – ohne dies nicht immer wieder mit dem erhöhten Alkoholkonsum von Jugendlichen zu rechtfertigen.

Großer Bierkrug und große Doppelmoral

Ohnehin sind es in der momentanen Drogenpolitik vermehrt die Jugendlichen, die zu alllererst daran glauben müssen, wenn es mal wieder darum geht, etwas gegen den übermäßigen Alkoholkonsum in der Gesellschaft oder das sogenannte „Komasaufen“  bei Jugendlichen zu unternehmen. Doch wie sieht es mit dem Alkoholkonsum der Erwachsenen aus? Der Eltern, Geschwister und der viel geforderten Vorbilder in der Gesellschaft? Wie sieht es mit CSU-Politikern aus, die zwar null Toleranz für Hasch-Konsumenten übrig haben, gleichzeitig aber öffentlich damit kokettieren, dass man ja auch noch nach dem ein oder anderen Maß Bier einwandfrei Auto fahren kann. Umso größer der Bierkrug, umso größer die Doppelmoral mag man meinen. Apropo Auto fahren. In München wurde jüngst sogar das Straßenverkehrsrecht dem Oktoberfest angepasst. Rund um die Wies’n ist jetzt besondere Vorsicht geboten. Es muss von nun an jedem Autofahrer bekannt sein, dass alkoholisierte Menschen auf den Straßen unterwegs sein könnten. Die Schuldfrage bei Unfällen ist zukünftig nicht mehr so einfach zu klären. Und bei aller Kritik an den „bösen Holländern“: Soweit sind nicht mal die Kommunalpolitiker in Amsterdam. Dort hat man auch als Kiffer noch darauf zu achten, dass man nicht unter die Räder kommt.

Apfelkorn im Sonderangebot

Was lernen wir daraus? Eine Debatte um Alkoholkonsum bei Erwachsenen ist unerwünscht. Dies hat mit Marktinteressen der Alkoholproduzenten zutun – sprich mit Macht und Geld. Solange es hierzulande üblich ist, dass Brauereien Sportevents sponsorn, Biertrinken zur patriotischen Pflicht erklät wird und obendrein der billigste Apfelkorn in der Supermarktbeilage der Tageszeitung beworben werden darf, solange kann es keine ehrliche Diskussion um übermäßigen Alkoholkonsum geben. Auch und gerade nicht bei Jugendlichen. Im Gegenteil: Die momentane Politik im Bezug auf Alkohol, spült viel Geld zu Lasten Alkoholkranker und einer modernen Drogenpolitik in die Kassen der Brauereien.

Was es bräuchte wäre ein Menthalitätswechsel hin zu mehr Offenheit, Prävention und Mut. Offenheit gegenüber anderen Substanzen und den Menschen, die diese konsumieren. Mehr Prävention um zu verhindern, dass es bei Alkohol und anderen Drogen bei der üblichen Abschreckungs- und Symbolpolitik anstelle wirklicher Aufklärung – auch von Erwachsenen – bleibt. Und schließlich auch den Mut, unangenehme Wahrheiten auszusprechen und endlich über ein generelles Werbeverbot für Alkohol nachzudenken.Für eine neue Drogenpolitik stehen unter anderem auch Bündnis 90/Die Grünen, die schon seit ihren Anfangstagen nicht im Sinn hatten, Alkohol besser darstehen zu lassen als Cannabis.

Kategorien: Drogen · Politik
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3 Antworten bis hierher ↓

  • matsch // 20. November 2009 um 20:13 | Antworten

    generelle Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen?

    Gerne. Und möglichst sofort. Was dagegen haben kann nur die saufende Jugend (wobei sich auch Enddreißiger gerne noch für „jugendlich“ halten), Spätkauf und Fahrradschlauchhersteller. Als Grünmensch muss man sowieso total dafür sein. Ist ja nicht mitanzusehen wie die urgrüne Idee des Flaschenpfand tonnenweise in Scherben zerlegt und das Radfahren (Achtung, Klima!) einem verleidet wird.

  • Ario // 20. November 2009 um 20:39 | Antworten

    Ich bin klar gegen generelle Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen. Das verdrängt Menschen, aber keine Probleme. Siehe dazu auch ein Antrag der Grünen Jugend an dem ich maßgeblich mitgewirkt habe: http://www.gruene-jugend.de/beschluesse/drogen/628588.html

  • matsch // 20. November 2009 um 21:02 | Antworten

    „Das verdrängt Menschen“

    Soll es doch. Wer Durst hat, soll es in geschlossenen Gebäuden tun. Ganz Berlin ist ein Trümmerfeld …. von zerdepperten Flaschen.
    Mit einem Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen will ich nicht Alkoholabhängige (landläufig auch als Penner und Assis bekannt) treffen, sondern in erster Linie das partyversessene Jungvolk, das erst seit einigen Jahren meint, nicht mehr ohne Flasche Bier in der Öffentlichkeit unterwegs sein zu können. Mit den entsprechenden Hinterlassenschaften in Parks und auf Bürgersteigen, Radwegen und den so ungemein beliebten Brücken.

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