Der Arbeitskreis Grüne MuslimInnen von Bündnis 90/Die Grünen NRW hat in Kooperation mit mir und vielen anderen Aktiven sowie Funktions- und MandatsträgerInnen aus dem ganzen Land einen offenen Brief an Seyran Ates verfasst. Diesen kann man sich hier ansehen. Grund für die Reaktion unsererseits waren die in meinen Augen respektlosen Äußerungen von Frau Ates gegenüber Kopftuch tragende Frauen und Bündnis 90/Die Grünen insgesamt. Der Artikel, welcher auf WELT online veröffentlicht wurde, geht in eine Richtung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Ich hatte schon kurz nach Veröffentlichung des Textes von Frau Ates die Kommentierungsfunktion auf WELT online genutzt, um meine Meinung kundzutun. Ich hoffe viele Menschen können etwas mit diesem offenen Diskurs anfangen. Ich hoffe, es kommen nicht wie so oft Anfeindungen aus der islamfeindlichen und rassistischen Ecke um PI-News oder ähnlichen Seiten und Protagonisten.
Update I: Der Tagesspiegel berichtet heute ausführlich über Seyran Ates und ihre beschämenden Äußerungen über Frauen die Kopftuch tragen. Zum einen ist da die Berliner Journalistin und Moderatorin Ferda Ataman, welche in ihrem Artikel sehr gut deutlich macht, dass ein breiter Konsens in der Kritik an Ates’ These besteht. Diese sagte, Bündnis 90/Die Grünen wären aufgrund ihrer Kopftuchträgerinnen unwählbar. Der Offene Brief der Grünen bekommt Zuspruch von CDU und SPD. Zum anderen ist da die Journalistin Claudia Keller, die in einem ersten und zweiten Kommentar deutlich macht, dass die pauschale Gleichsetzung von Kopftuch und Unterdrückung falsch ist. Gleichwohl geht sie richtigerweise auf die Biographie von Seyran Ates ein und zeigt, woher ihre nachvollziehbare – aber dadurch nicht korrekteren – Kritik am Kopftuch rührt. Claudia Keller zeigt, dass einige Frauen Seyran Ates viel zu verdanken haben, aber dass ihre jüngsten Äußerungen eben dadurch nicht besser werden. Ebenso möchte ich nicht verschweigen, dass Claudia Keller die „Attacken“ der Grünen in Form eines offenen Briefes nicht gut findet. Sie wünscht sich eine andere Art des Diskurses. Ich empfinde den offenen Brief ja als sehr fair und inhaltlich – wenn auch streng in der Sache. Dieser offene Brief soll ja auch der erste Schritt hin zu einem persönlichen und freundschaftlichen Austausch sein. Übrigens haben auch die Süddeutsche Zeitung und mehrere türkische Zeitungen über den Dissenz zwischen Seyran Ates und Vertretern der Grünen berichtet.
Update II: Im österreichischen Blatt derStandard legt Seyran Ates nochmal nach und bezeichnet die Grünen als „scheinheilig“ und „weltfremd“. Davon unbeeindruckt, hat sich Vera Lengsfeld (ihres Zeichens Direktkandidatin der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg) dazu entschieden, kommentarlos auf Frau Ates’ niveaulosen Pöbel-Beitrag hinzuweisen. Darüber hinaus erscheinen heute auch wieder in türkischen und türkisch-deutschen Zeitungen Beiträge und Kommentare zu der Kontroverse zwischen Bündnis 90/Die Grünen und Seyran Ates. Positiv fällt mir im ganzen Diskussionsprozess auf, dass viele das Thema Kopftuch und Wahlfreiheit wichtig finden, aber die Art wie Frau Ates es kommuniziert als zu konfrontativ ansehen. Ich will nicht beschönigen, dass auch unser offener Brief einigen zu agressiv erscheint. Ich finde aber, man sollte immer Aktion und Reaktion unterscheiden. Frau Ates hat mit der unsachlichen Kopftuchzählerei und den Beleidigungen gegenüber weiblichen Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen begonnen. Bei aller Richtigkeit dieses Diskurses ist für mich langsam fraglich, ob es um die Sache geht oder Frau Ates’ neues Buch. Aber das kann man ja auch beides verbinden. Ein Buch ist auch nur eine Meinung! Bin da gar nicht so streng, was die Vermarktung ihrer Publikationen angeht.